Hier folgt eine von Carolus Lehmann geschriebene Übersicht der Berliner Jesus-People Bewegung, die in dem Buch "Jesus Generation - Auch in Europa?" (1972, Aussaat Verlag) auf Seiten 56 bis 67 erschien:
von Carolus Lehmann
Es ist gewiß kein Zufall, daß einer der tragenden Brückenköpfe der werdenden Jesus-Generation in Europa das zweigeteilte Berlin ist. Hier prallen die politischen Gegensätze besonders hart aufeinander, hier hat die weltanschauliche Auseinandersetzung welthistorischen Gleichniswert.
Man sollte meinen, daß dieser aufgewühlte Boden ein besonders ertragreiches Wirkungsfeld für die traditionsreiche kirchliche und volkmissionarische Arbeit war und ist. Sicher sind hier von den Zeiten der "Schrippenkirche" bis zur Angriffswelle des Evangelisationskabaretts immer wieder wirksame Verkündigungsformen spezifischer Art entwickelt worden, vor allem im Blick auf die gleichgültige oder radikalisierte Großstadtjugend; eine "Bewegung" jedoch, eine beispielhafte Revolte auf Christus hin kann in den Annalen dieser Stadt, einer ehemaligen Reichshauptstadt, die immerhin das Märtyrertum von Plötzensee zu ihrer Geschichte zählt, nur in Ansätzen verzeichnet werden. Hier erfolgte der entscheidende Durchbruch nicht von oben, sondern von unten.
Damit sind weder die vielfältigen Formen und Mühen der bisherigen christlichen Jugendarbeit noch die großartig angriffigen Massenteams der einfallsreichen Berliner Stadtmission entwertet; wohl aber zeigt das neue Geschehen, daß Gottes Wege nicht von Menschen, auch von den frömmsten und eifrigsten nicht, irgendwie vorgezeichnet werden können. Andererseits ohne überzeugend predigende und missionierende Aktivitäten und Instanzen wären viele vom Geist getriebene junge Menschen ohne Zuflucht, eine Herde ohne Hirten.
Unter diesem doppelten Aspekt muß das Wunder jawohl: das Wunder gesehen worden, das sich in Westberlin im Januar 1971 am Nollendorfplatz ereignete. Hier traten, man weiß, in einer öffentlichen Versammlung der "Christlichen Missionsgemeinde", einer der Pfingstbewegung nahestehenden freikirchlichen Vereinigung, drei drogenabhängige junge Mädchen unvermittelt an den Pastor der Gemeinde mit der Bitte heran, mit ihnen zu beten. Durch diese Gebet und die anschließenden Gespräche kamen sie in eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus, was sich lebensverändernd nicht nur hinsichtlich ihrer Drogenprobleme, sondern auch hinsichtlich ihrer gesellschaftlichen und sonstigen Probleme auswirkte. Unter dem Eindruck dieser Erfahrung entwickelten sie in ihrem Bekanntenkreis alsbald eine missionarische Aktivität, in dem sie in die Gottesdienste befreundete Drogenabhängige mitbrachten, die dann zu der gleichen befreienden Erfahrung mit Jesus kamen. Nach einem Vierteljahr waren es schon fast vierzig und ein paar Wochen später rund sechzig Jugendliche, die sich als neugewonnene "Jesus-People" zum Zeichen ihrer Heilung und Erlösung dann im Juli 1971 ostentativ in der Havel taufen ließen. Und so wuchsen die Zahlen der Neubekehrten weiterhin. Das war der Anfang, ein durchaus ungeplanter Anfang.
Wie tiefgreifend und umwälzend die Begegnung mit Jesus Christus für die erlösungsbedürftigen jungen Drogenabhängigen war und ist, mag der Brief einer der jungen Mädchen zeigen, das durch den Gang zum Nollendorfplatz und die dort erfahrene Gebetsheilung zu einer der Mitbegründerinnen der Berliner Jesus-People wurde. In diesem Brief berichtet Inga, die damals 17 Jahre alt war, das sie oft die Schule geschwänzt und Entschuldigungen gefälscht hatte. Das Verhältnis zu ihren Eltern, die sich bald scheiden ließen, war denkbar schlecht, so daß sie sich mit Gammlern und Hippies zusammentat, und schon mit 12 Jahren anfing, Haschisch zu rauchen; später nahm sie LSD. Wiederholt lief sie von zu Hause fort. "Ich beschäftigte mich," so schreibt sie im Rückblick auf diese Zeit, "mit Subkultur-Philosophien und versuchte, einen Sinn und eine Erfüllung für mein Leben zu finden; doch immer wurde ich enttäuscht. Ich war verzweifelt und einsam. Niemand konnte mir etwas geben. Schließlich schluckte ich Morphintabletten und rauchte Opium. Meine Mutter und meine Lehrer wußten von meinem Zustand und wollten mir helfen; doch innerlich lachte ich sie aus.
Für mich zählten nur Menschen mit einer gewissen Drogenerfahrung. Mein ganzes Leben bestand nur noch aus Drogen. Ich lebte in einer Kommune mit Dealern zusammen und fing bald selber an, mit LSD zu handeln. Auf mehreren Razzien wurde ich von der Polizei erwischt. Aus meiner Verzweiflung wußte ich keinen Ausweg. Dreimal versuchte ich, mir das Leben zu nehmen. Mein Vater brachte mich für ein halbes Jahr nach Hannover in psychiatrische Behandlung, die mir aber nicht half. Ich sehnte mich nur nach Drogen und Berlin. Ich lebte nur in einer Traumwelt und bekam Verfolgungswahn. Wieder in Berlin, fing alles von vorne an. Ich nahm erneut Drogen und war wieder mit Dealern zusammen. Von der Polizei bekam ich einen Prozeß gemacht.
Schließlich kam ein Tag für mich im Januar des Jahres, an dem ich aus lauter Verzweiflung und Fertigsein zu Gott schrie, zu einem Gott, an den ich nie geglaubt hatte. Ich flehte um Hilfe und wollte zu ihm. An diesen Tag wurde ich abends zum Nollendorfplatz geführt, wo ich mich bekehrte und Gott mich zu einem freien und glücklichen Menschen machte."
Der Brief schließt mit den Worten: "Jetzt habe ich gefunden, was ich in Drogen suchte, wonach ich mein Leben lang suchte: unendliche, erfüllende Liebe."
Diese Bekenntnis blieb nicht das einzige. Laufend legten und legen verirrte junge Menschen, die mit der genannten Gemeinde und der von ihr getragenen Berliner Jesus-People in lebendige Berührung kamen, Zeugnis von der großen Wandlung ab, die sie hier erfahren durften. Als Beispiel sei hier die erschütternde Beichte eines Achtzehnjährigen wiedergegeben, der bezeichnenderweise die Verbindung zur offiziellen Kirche nie abgebrochen, an ihrer Jugendarbeit sogar aktiv teilgenommen hatte und dennoch wie bekanntermaßen so viele andere auch mit Jesus Christus in keine wirklich lebendige Verbindung gekommen war. Sein Brief ist eine beschämende Anklage gegen jene theologisierte kirchliche Betriebsamkeit, in der die Heilsbotschaft nichts mehr mit persönlicher Vollmacht ausgerichtet wird, zugleich aber auch ein unabweisbares Dokument für die eigenständige Dynamik der neuen Jesus-Bewegung. "Ich habe sieben Geschwister", so berichtet dieser Gerd. "Weil mein Vater trinkt, sind die sozialen Verhältnisse zu Hause nicht gerade die besten. Die Probleme waren so groß, daß ich meinen Lehrvertrag nicht einhalten konnte. Ich fing an zu gammeln. Anfangs war ich oft betrunken, später rauchte ich shit und nahm trips. Damit wollte ich alle Probleme überspielen. Viermal wurde ich wegen Ruhestörung, Lärms, Rauschgifthandels und Hausfriedensbruchs verhaftet. In Düsseldorf saß ich 6 Wochen im Gefängnis. Wieder in Berlin, versuchte ich das Beste aus meinem Leben zu machen.
Ich fing an, in einer kirchlichen Jugendgruppe zu arbeiten, trotzdem war ich unglücklich. Überall hing mir meine Vergangenheit an; zu Hause war ich der Schwerverbrecher der Familie, in der Kirche wurde ich nicht für voll genommen. Obwohl ich eigentlich nicht wollte, fing ich wieder an, shit zu rauchen und gelegentlich trips zu werfen. Ich hatte einen Haß auf meine Freunde und Pfarrer, nirgendwo fand ich Liebe oder Verständnis, nur leere Worte. Ich war psychisch am Ende.
Ich nahm 10 trips auf einmal und lag 3 Tage auf der Straße in der Gosse. Nun wollte mir niemand mehr helfen, auch nicht mal mit Worten. Man hatte mir gesagt, man soll dahin gehen, wo alles angefangen hat; so ging ich wieder nach Hause, weil dort die meisten Probleme herkamen. Ich wollte einfach beweisen, daß ich jemand anders war als der, für den ich gehalten wurde; doch bald wollte ich wieder alles hinwerfen. Hätte ich eine Pistole gehabt, hätte ich mich sicherlich erschossen; doch da traf ich einen Freund, der mir von Jesus erzählte.
Ich hielt ihn für einen Spinner; mit der Kirche und was dazu gehört hatte ich genug schlechte Erfahrungen gemacht. Trotzdem faszinierte mich Peter mit dem, was er erzählte; denn er war irgendwie anders geworden. Er nahm kein Rauschgift mehr, und sein ganzes Wesen strahlte mehr als bloßes Interesse aus. Ich ging mit ihm zu einem Gottesdienst am Nollendorfplatz und spürte zum erstenmal Liebe dort.
Ich erlebte Christus als Freund und Helfer aus meinen Problemen. Das veränderte mein ganzes Leben. Ich hörte auf zu rauchen, Drogen zu nehmen und Alkohol zu trinken. Nun erdrücken mich meine familiären Sorgen nicht mehr; ich weiß, daß ich zu Hause gebraucht werde. Ich habe die Kraft, alles zu ertragen und versuche, meinen Eltern und Geschwistern die Liebe zu geben, die ich so lange vermißt habe, die Liebe, die Christus mir schenkt."
So gewiß es ist, daß hier das "Kommen Jesu", von dem der religiöse Aufbruch der Weltjugend Kunde gibt, konkret wirksam war und ist, so unbestreitbar dürfte auch sein, daß die auslösende Kraft für solche Umwandlungen nur die Begegnung mit echten Zeugen Jesu Christi gewesen sein kann. Echtheit dazu gehört auch jene Fröhlichkeit, die Friedrich Nietzsche seinerzeit an den so wenig erlöst aussehenden Traditionschristen vermißte. Hier, innerhalb der Berliner Missionsgemeinde, war und ist etwas davon zu spüren, als jenes Etwas nämlich, das gerade die jungen Menschen anzieht und überzeugt.
Kopf und Herz dieser Gemeinde (deren gottesdienstlicher Gesang selbst die Besucher der im nachbarlichen Kino zuweilen dargebotenen Pornofilme irritiert) ist seit einigen Jahren der junge Evangelist Volkhard Spitzer, der diesem missionarischen Zentrum als Pastor dient. 1943 in Göppingen (Württemberg) geboren, erfuhr er schon als Kind die Gnade Gottes, indem er auf die Gebet seiner gläubigen evangelischen Eltern und Großeltern hin wunderbarerweise von der Kindererlähmung geheilt wurde. Den Entschluß, sein Leben in den Dienst Jesu zu stellen, faßte er schon als Zwölfjähriger, und zwar während einer Glaubenskonferenz des Jugendbundes für Entschiedenes Christentum (EC) auf der Hensoldtshöhe bei Gunzenhausen. Vier Jahre später wirkte er als sog. "Boy-preacher" in einer süddeutschen US-Militärgemeinde daran mit, daß zahlreiche Soldaten der amerikanischen Besatzungsmacht zu einer lebendigen Verbindung mit Gott kamen. Seine fachliche Ausbildung erhielt Rev. Spitzer auf dem "Assemblies of God-Bible College" in Kenley (England). Neben der Wahrnehmung seines Berliner Gemeindeamtes führten ihn zahlreiche Vortragsreisen außer in die Bundesrepublik nach Belgien, England, Schweden, Italien und Jugoslawien. Seine freudige und interkonfessionell wirksame lebendige Predigt hat den jungen Evangelisten weithin beliebt, sein tatkräftiges geistliches und organisatorisches Wirken für die Berliner Jesus-People international bekannt gemacht.
Wie Pastor Spitzer, der seit dem Juni 1971 mit dem jungen Pastor Gunther Hapke in der Christlichen Missionsgemeinde sowie unter den Jesus-Leuten teamhaft zusammenarbeitet, die neue Bewegung sieht und gesehen haben will, geht aus einem Rundschreiben vom Oktober des genannten Jahres hervor, in dem es u.a. heißt: "Ziel dieser Bewegung ist eine Erweckung und ein Erwachen in allen Konfessionen und sozialen Kreisen. Nicht eine neue Kirche, sondern einen erneuerten Menschen durch den Heiligen Geist und Glauben an Jesus Christus. Zentralistisch an der Person Jesu Christi und nicht an einer Konfession orientiert, stellt sie eine echte Erweckungsbewegung dar.
Ihre Aufgabe sieht sie darin, nicht nur dem einzelnen eine Hilfe zu bieten, sondern einer ganzen Gesellschaft mit ihren vielschichtigen Problemen. Das geht über die Bereiche der mitmenschlichen Beziehungen zur Resozialisierung von Drogenabhängigen, Alkoholikern und milieugeschädigten Jugendlichen. Die Jesus-People-Bewegung will keine Trennung von der alten Generation, sondern Gemeinsamkeit auf der Basis der neutestamentlichen Nächstenliebe."
In der gleichen Rundschreiben wurde der Öffentlichkeit Mitteilung von einer bedeutsamen Gründung gemacht, die für die Arbeit und den Stil der neuen Jugendbewegung von modelhafter Bedeutung war und ist. Gemeint ist die Teestube in der Mansteinstraße 4, unweit des U- und S-Bahnhofs Yorkstraße, die in einem vormaligen, einer Fahrschule dienenden Laden eingerichtet wurde. Diese aus dem Wunsch nach einem weiteren Kontaktplatz entstandene Teestube, für die die Jugendlichen selber den Namen "One-Way" (Einbahnstraße) auswählten, wird von der Christlichen Missionsgemeinde und ihrem Freundeskreis getragen. Sie ist eine schlicht eingerichtete Lokalität, in der bei kostenlos gereichtem Tee an kleinen Tischen Gespräche mit den Besuchern geführt werden. "Die Teestube", so hieß es bei ihrer Eröffnung, "hat die Aufgabe, sich mit Problemen jeglicher Art auseinanderzusetzen. Jugendliche, die eine persönliche Beziehung zu Jesus Christus haben, werden durch Bibeltraining und Diskussion auf die Gespräche innerhalb der Teestube vorbereitet. Bei allem sind wir auf das direkte Eingreifen des Heiligen Geistes angewiesen, in unserem wie im Leben des Gesprächspartners." Die Teestube "One Way" ist gewissermaßen die Stätte der ersten, noch anonymen und unverbindlichen Fühlungnahme. Die Verantwortlichen wissen durchaus, daß die Resozialisierung der Jugendlichen sich in harten Fällen über Monate erstreckt, "was eine intensive Betreuung in Form von Gruppenarbeit, Freizeiten und persönlicher Seelsorge bedeutet." Die Teestube in der Mansteinstraße wird nur durch den Hausflur von einer traditionsreichen Weinstube getrennt, was auf der Straße oft erregte Diskussionen zwischen den unterschiedlichen Besuchergruppen zur Folge hat. Auch um dieser "Straßenmission" willen werden die jungen Gesprächsführer(innen) der Teestube immer wieder zu Bibelarbeiten im Evangelistischen Zentrum am Nollendorfplatz zusammengeführt.
Im Zusammenhang mit der Teestube, die an den Abenden von Freitag bis Sonntag für jedermann bis Mitternacht geöffnet ist, rief Pastor Spitzer als erstes christliches Underground-Blatt im kleinen Zeitungsformat die von seiner Gemeinde getragene "1. Berliner Jesus-People-Presse" ins Leben, und zwar gleichfalls unter der Bezeichnung "One Way". Diese im Wandzeitungsstil lebendig aufgemachte Publikation, deren Kopf das internationale Bekenntnis-Symbol der Faust mit zum Himmel gerichteten Zeigefinger trägt, erschien anfangs in einer Auflage von 10000 Exemplaren, inzwischen jedoch mit westdeutschen Ausgaben zusammen in dreifacher und weiterhin wachsender Auflagenhöhe. In Anlehnung an "One Way", dessen zunächst vierseitiger Umfang im gleichen "subkulturell"-evangelikalen Text- und Bildstil sich schrittweise vergrößert, erscheinen in loser Folge aktuelle christozentrische Poster im Dreifarbendruck, deren Rückseiten neuentwickelte "Plakat-Traktate" bilden. Damit strahlen die Berliner Jesus-People, vielmehr der von ihnen ausgehende Impuls, publizistisch auch in die westdeutsche "Teestuben-Mission" von Hamburg bis Würzburg und mittelbar auch in andere Jugendkreise hinein. Und von nicht minder großer Tragweise ist der durch das Erscheinen von "One Way" immer wieder neu ausgelöste missionarische Eifer, mit dem die Jugendlichen, die zu Jesus und in der neuen Bewegung eine Heimat gefunden haben, sich für den Vertrieb des so unbürgerlichen Blattes nicht nur in ihren Kreisen, sondern auch auf Straßen und öffentlichen Plätzen bis in die dunkelsten Spelunken hinein immer wieder unermüdlich einsetzen.
Daß über einem imponierenden Schwung dieses Aufbruchs die Kleinarbeit am einzelnen jungen Menschen nicht vergessen wird, zeigt u.a. das Heimprojekt der Missionsgemeinde: In einem westlichen Berliner Vorort wird ein durch Spenden finanziertes eigenes Haus diejenigen Neubekehrten aufnehmen, die entweder als vormals Drogenabhängige rückfallgefährdet oder aber die im alten asozialen Milieu in ihrer Weiterentwicklung behindert sind. Dieses Haus, das eher den Lebensstil einer Großfamilie als den einer Resozialisierungsstätte anstrebt, ist zugleich der Sitz des evangelistischen Schulungszentrums der Bewegung. Seine Leitung und Betreuung liegt in Händen eines Fünfer-Teams, dem außer einem Hauselternpaar Mitglieder der überkonfessionellen Bewegung "Jugend mit einer Mission" angehören und dem auch einige Gründungsmitglieder der Berliner Jesus-People bedarfsweise zur Verfügung stehen. Wenn nichts anderes, so dürfte die zielbewußte und weitschauende Konzeption diese Hauses hinreichend die neuerdings von dritter Seite gegen die Bewegung erhobenen Einwände der "Schwarmgeistigkeit" widerlegen.
In einer seiner letzten Ansprachen im Evangelisationssaal am Nollendorfplatz sagte Volkhard Spitzer, hierin ein wahrhafter Bußprediger unserer Tage: "Wir, die wir mit Besorgnis die Entwicklung unserer Stadt sehen, müssen uns vereinigen zum Kampf für die Gerechtigkeit, zum Kampf gegen die Sünde. Im Gebet versunken, meiner großen Ohnmacht vollkommen bewußt, bat ich Gott um Schonung dieser Stadt. Er gab mir den Auftrag zu der Aktion Berlin Erwache! Mehrere Male redete Gott zu mir: Fürchte dich nicht, schweige nicht, sondern rede nur; denn ich habe ein großes Volk in dieser Stadt. Bringe ihnen nicht menschliche Weisheit, sondern mein Wort. Eine große Anzahl Berliner Bürger ist bereits angesprochen worden, und die Revolution der Liebe hat sie zu neuen Menschen gemacht." Diese "neuen", diese neu und unmittelbar zu Jesus Christus gekommenen Menschen sind es, die den sieghaft betenden Hintergrund für den so dynamischen Aufbruch eines großen Teils der Berliner Jugend bilden. Darum gibt es in dieser unruhigen Stadt bemerkenswerterweise so gut wie keinen Gegensatz zwischen den Jesus-People und den Mitgliedern etwa der Missionsgemeinde. Mögen in letzterer auch die Älteren dominieren, sie sind "neue" Menschen, wie die Jungen auch, was nicht ausschließt, daß letztere zunächst unter sich bleiben wollen, wenn auch nicht im Sinne einer hochmütigen "Apartheid".
Und so ist es denn wohl so, daß die Berliner Jesus-People in der Tat einen Brückenkopf darstellen nicht nur für den enthusiastischen Kreuzzug einer neuabendländischen Jesus-Generation, sondern auch für ein kommendes Zu- und Miteinander aller jener Christen, die wirklich wiedergeboren wurden und diesen Namen verdienen.
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