Volkhard Spitzer – der Prediger von Spree und Havel
700 Gäste kamen bis aus Korea, um an seinem 60. Geburtstag
teilzuhaben. Charisma nimmt die Gelegenheit wahr, um etwas von dem zu
reflektieren, was Gott durch Spitzer in unserem Land gewirkt
hat.700 Geburtstagsgäste
aus aller Welt
Volkhard Spitzer, Initiator der „Jesus
People“-Bewegung in Berlin, wird heute 60 Jahre alt
(die
tageszeitung)
Einer Einladung zum 60.
Geburtstag des schwäbischen Wahlberliners Volkhard Spitzer folgten 700 Christen
aus mehreren Ländern. Bewirtet wurden sie von einer 100-köpfigen Mannschaft aus
der Tabor-Gemeinde, die nicht nur für 100 Kuchen sorgte und viele weitere
Leckerbissen anbot, sondern auch 100 kg Fleisch grillte. Die Geburtstagsfeier
fand in der 1982 von Spitzers damaliger Gemeinde erworbenen „Kirche am Südstern“
statt.
Volkhard Spitzer
hatte diese aus der Zeltevangelisation von Harold Herrmann erwachsene Gemeinde
1964 mit ca. 80 Mitgliedern übernommen – meist Kriegswitwen. Sechs Jahre später,
1970, war der inzwischen 27-Jährige vom Gemeindedienst so frustriert, dass er
aufgeben wollte. Spitzer gegenüber Charisma: „Damals sagte ich zu
Gott: 'Wenn Du nichts Neues wirkst, dann höre ich einfach auf. Ich werde drei
Tage fasten und beten und Dein Angesicht suchen.'“
Die Fortsetzung berichtet Steffen Becker in seinem
taz-Artikel zu Spitzers 60. Geburtstag: „Spitzer zog sich zurück, und
Gott sprach zu ihm durch ein Taschenbuch. Das Werk 'In seinen Fußstapfen'
erzählt von einem Landstreicher, der eine reiche Gemeinde aufsucht und
abgewiesen wird. 'Ich erkannte, dass auch ich die Menschen bisher sortiert hatte
– die Braven hier, die langhaarigen Penner dort.'“ (taz, 16./17. August
2003)
Volkhard Spitzer gegenüber Charisma:
„Ich erzählte der Gemeinde am Nollendorfplatz von meinem
Eindruck, dass Gott unter den Außenseitern der Gesellschaft die nächste
Bewegung des Geistes schenken wird, und dass wir bereit sein müssen,
solche Leute aufzunehmen. Die ganze Gemeinde lag damals auf dem Betonfußboden
und betete: 'Gott, wir sind bereit, sie aufzunehmen.' Vier Wochen
später kam das erste süchtige Mädchen, sie wurde frei und brachte ihre Freundin,
und so gab es praktisch ein Schneeballsystem.“
22 Jahre ging Spitzer dieser Gemeinde als geistlicher
Hirte voran – initiierte, motivierte, wagte Neues – und gewann landesweite
Aufmerksamkeit (nicht zuletzt durch die Medien). Die ehemaligen 80 wuchsen auf
1200. Dann 1986 Spitzers Burnout, eheliche Untreue, Verlust der
Südstern-Gemeinde, Trennung von seiner Frau.
In derselben Südstern-Gemeinde jetzt
Kaffeetrinken (als „Straßen-Kirchen-Café“), dann ein Dankgottesdienst anlässlich
Pastor Spitzers 60. Geburtstag mit internationalen Gästen, und schließlich eine
Grillparty vor der Kirche bis spät in die Nacht – und das alles bei schönstem
Wetter. Wenige Stunden später ein Wolkenbruch.
„Jetzt beginnt
sich die Geschichte zu wiederholen“, heißt es in o.g. taz-Artikel. Was damit
gemeint ist, erläutert Pastor Spitzer im Gespräch mit Charisma-Herausgeber
Gerhard Bially: „Es geht um etwas Zeichenhaftes, was Gott tut. Wir haben damals
etwas aufbauen dürfen, danach kam eine Zeit des Burnouts und der Krise. Später
war ich als Missionar in Westafrika, Russland und der Ukraine tätig. Schließlich
kam der Ruf erneut in die Gemeindearbeit nach Berlin. Ich habe mich hier nicht
selbst als Pastor eingesetzt, sondern bin der Einladung von Präses Ingolf Ellßel
gefolgt. Er fragte mich, ob ich mir vorstellen könne, die
Tabor-Gemeinde in Berlin zu übernehmen. Erika und ich haben diese Gemeinde
dann besucht. Wir fanden eine ganz kleine Gruppe, die noch krampfhaft geglaubt
und gebetet hat, dass Gott die Tabor-Gemeinde wieder zum Leben bringen wird. Wir
empfanden es als Ruf Gottes, die Gemeinde zu übernehmen. Gott hat diesen Schritt
bestätigt, indem die Gemeinde zahlenmäßig wächst. Insofern wiederholt sich die
Geschichte. Als ich in den 60er Jahren zum ersten Mal eine überalterte Gemeinde
übernahm, ist sie aufgeblüht. Jetzt dürfen wir das zum zweiten mal
erleben.“Seit 1998 ist die Tabor-Gemeinde von 18 Mitgliedern
auf 200 bis 250 Gottesdienstbesucher gewachsen.
Grußwort von
Keith Warrington während des
Festgottesdienstes
Volkhard, Erika und Markus, einen Gruß möchte ich
bringen – auch von meiner Frau und für die ganze Gemeinschaft von Jugend mit
einer Mission … Ich möchte heute vor allem eine bestimmte Etappe bezeugen und
anerkennen und dir danken für deinen und für euren Beitrag im ganzen Land.
Volkhard, gestern hast du bei THE
CALL am Brandenburger Tor beschrieben, wie der geistliche Aufbruch hier in
Berlin entstanden ist. Doch ich möchte dir sagen: Was Gott unter euch in Berlin
wirkte, floss in das ganze Land hinaus und öffnete und befruchtete weite Teile
Deutschlands.
Ich habe dich zum ersten Mal in Zürich und dann Anfang `72 in St. Gallen
gehört. Bald darauf wurdest du an vielen Orten eingeladen. Es fing an mit
„Jesus-Leuten“, aber es erweitete sich und es ging um einen Erneuerungsauftrag …
Du hast für uns von Jugend mit einer Mission
Türen im ganzen Land geöffnet. Du bist in katholische Kreise
gekommen, um geistliche Erneuerung dahin zu bringen, in evangelische Gemeinden …
Gott hat dich zu einer Leitfigur gemacht, um das Land geistlich zu
öffnen in den Siebzigern und bis in die frühen achtziger Jahre. Es gab die
ersten (Berliner charismatischen) Kongresse `78, `79 in der Kongresshalle hier,
wozu Christen aus ganz Deutschland sowie aus der Schweiz und Österreich kamen.
Du hast begonnen, internationale Kontakte ins Land zu rufen,
du hast die Türen geöffnet, Wege gebahnt, damit das Internationale ins Land
kommt von Nord- und Süd-Amerika und von Korea – ich denke dabei an die
Verbindung zu Pastor Yonggi Cho …Dieser Beitrag ist oft nicht bekannt gewesen im
Land und ich möchte diese Gelegenheit nutzen, um dies zu dokumentieren. Ich habe
es als Augenzeuge miterlebt und nicht nur das, sondern wir von Jugend mit einer
Mission waren nah genug am „Nolli“, um an dem inneren Aufbau teilzunehmen
…Dann (in den späteren achtziger Jahren) folgten Jahre im
Ausland. Doch in den neunziger Jahren erlebtest du die Gnade Gottes in einer
Wiederherstellung, es folgten der Aufbau von CCM und die Wiederaufnahme deines
Dienstes in Deutschland … Ich wünsche euch ein Zuhause im Leib Christi und dass
wieder viele Türen aufgehen … Wir brauchen euch und wir lieben euch
…
Ein Dank im Namen der FrauenVolkhard
Spitzer ist viele Jahre lang Inspirator und Motivator für internationale
Frauenarbeit gewesen – man höre und staune – und hat ganz entscheidende
Impulse gesetzt, für die ich mich bedanken möchte und für die ich dem Herrn
danke. Volkhard hat vor vielen Jahren eine Predigt mit dem Thema Frau,
warum weinst du? gehalten. Was heute tausendfach in christlichen
Frauenzeitschriften und Büchern behandelt wird, hast du damals angestoßen: dass
Gott Frauen liebt und um ihren Schmerz weiß und ihnen begegnen möchte. Dem Herrn
sei Dank für diese Predigt, die durch Deutschland und übersetzt durch andere
Länder gelaufen ist.Hannelore Illgen, Hannover
Zum 60. Geburtstag von Volkhard Spitzer -
ein Gruß aus der
Charisma-Redakton
Lieber Volkhard,
es ist mir eine
Freude, dir zu deinem 60. Geburtstag gratulieren zu dürfen. Nur allzu gut
erinnere ich mich daran, wie ich in den USA (wo ich die Jesus-People- und die
charismatische Bewegung kennen gelernt hatte) von einem Pastor hörte, der in der
Havel tauft. Ich glaube, im Sommer 72 erlebte ich dich dann erstmals „live“ in
einem Zug. Wir pendelten mit Hunderten von Jugendlichen zwischen Hurlach und
München, wo wir bei der Olympiade die JMEM-Einsätze mitmachten. Es
muss um deinen 29. Geburtstag herum gewesen sein (da ich erst 20 war, ein
ehrwürdiges Alter). Du sagtest der mindestens ebenso gewichtigten Person neben
dir, wie froh du seiest, dass eure Gemeinde unanhängig und keine
Pfingstgemeinde sei.
Ein anderes denkwürdiges Ereignis hat sich mir
eingeprägt: als du an unserem zehnjährigen Jubiläum im JESUS-HAUS Düsseldorf
sprachst. Nicht nur, weil du den Termin vergessen hattest und erst einen Tag
später aus Westberlin eingeflogen kamst, sondern auch, weil dich unser schwarzer
Kinovorhang so störte, dass du gleich ein Opfer über 10.000 DM für die
Bühnenrenovierung eingesammelt hast.Ich habe immer deinen
Elan, deinen Tatendrang, deinen Pioniergeist und deinen Mut bewundert. Wenn ich
jedoch sagen sollte, was ich das Größte in deinem Leben und Dienst fand, so wäre
es weder „Berlin 81“, das so viel Segen brachte, noch der für eine freie
Gemeinde damals fast undenkbare Einzug in die „Kirche an Südstern“, sondern dass
du damals durch Gottes Gnade zu deiner Frau, zu deiner Familie zurückgefunden
hast. Möge Gott euch die Freude aneinander noch lange
erhalten! Viel, viel Segen für die nächsten Jahrzehnte,
du alter Hase!Gerhard Bially
Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift Charisma. Vielen Dank auch an M. Hansmann.
 |
|
| Zurück zum Nolli |
|