Aus der Zeitschrift Charisma Nr. 126, Oktober – Dezember 2003
Zeitschrift Charisma
aktuelle Themen und Nachrichten aus der charismatischen Erneuerung


Volkhard Spitzer – der Prediger von Spree und Havel
700 Gäste kamen bis aus Korea, um an seinem 60. Geburtstag teilzuhaben. Charisma nimmt die Gelegenheit wahr, um etwas von dem zu reflektieren, was Gott durch Spitzer in unserem Land gewirkt hat.

700 Geburtstagsgäste aus aller Welt
Volkhard Spitzer, Initiator der „Jesus People“-Bewegung in Berlin, wird heute 60 Jahre alt
(die tageszeitung)


Einer Einladung zum 60. Geburtstag des schwäbischen Wahlberliners Volkhard Spitzer folgten 700 Christen aus mehreren Ländern. Bewirtet wurden sie von einer 100-köpfigen Mannschaft aus der Tabor-Gemeinde, die nicht nur für 100 Kuchen sorgte und viele weitere Leckerbissen anbot, sondern auch 100 kg Fleisch grillte. Die Geburtstagsfeier fand in der 1982 von Spitzers damaliger Gemeinde erworbenen „Kirche am Südstern“ statt.
Volkhard Spitzer: Altes Eisen? Nein! Alter Hase! Volkhard Spitzer hatte diese aus der Zeltevangelisation von Harold Herrmann erwachsene Gemeinde 1964 mit ca. 80 Mitgliedern übernommen – meist Kriegswitwen. Sechs Jahre später, 1970, war der inzwischen 27-Jährige vom Gemeindedienst so frustriert, dass er aufgeben wollte. Spitzer gegenüber Charisma: „Damals sagte ich zu Gott: 'Wenn Du nichts Neues wirkst, dann höre ich einfach auf. Ich werde drei Tage fasten und beten und Dein Angesicht suchen.'“

Die Fortsetzung berichtet Steffen Becker in seinem taz-Artikel zu Spitzers 60. Geburtstag: „Spitzer zog sich zurück, und Gott sprach zu ihm durch ein Taschenbuch. Das Werk 'In seinen Fußstapfen' erzählt von einem Landstreicher, der eine reiche Gemeinde aufsucht und abgewiesen wird. 'Ich erkannte, dass auch ich die Menschen bisher sortiert hatte – die Braven hier, die langhaarigen Penner dort.'“ (taz, 16./17. August 2003)


Volkhard Spitzer gegenüber Charisma:
Ich erzählte der Gemeinde am Nollendorfplatz von meinem Eindruck, dass Gott unter den Außenseitern der Gesellschaft die nächste Bewegung des Geistes schenken wird, und dass wir bereit sein müssen, solche Leute aufzunehmen. Die ganze Gemeinde lag damals auf dem Betonfußboden und betete: 'Gott, wir sind bereit, sie aufzunehmen.' Vier Wochen später kam das erste süchtige Mädchen, sie wurde frei und brachte ihre Freundin, und so gab es praktisch ein Schneeballsystem.“

22 Jahre ging Spitzer dieser Gemeinde als geistlicher Hirte voran – initiierte, motivierte, wagte Neues – und gewann landesweite Aufmerksamkeit (nicht zuletzt durch die Medien). Die ehemaligen 80 wuchsen auf 1200. Dann 1986 Spitzers Burnout, eheliche Untreue, Verlust der Südstern-Gemeinde, Trennung von seiner Frau.

In derselben Südstern-Gemeinde jetzt Kaffeetrinken (als „Straßen-Kirchen-Café“), dann ein Dankgottesdienst anlässlich Pastor Spitzers 60. Geburtstag mit internationalen Gästen, und schließlich eine Grillparty vor der Kirche bis spät in die Nacht – und das alles bei schönstem Wetter. Wenige Stunden später ein Wolkenbruch.

„Jetzt beginnt sich die Geschichte zu wiederholen“, heißt es in o.g. taz-Artikel. Was damit gemeint ist, erläutert Pastor Spitzer im Gespräch mit Charisma-Herausgeber Gerhard Bially: „Es geht um etwas Zeichenhaftes, was Gott tut. Wir haben damals etwas aufbauen dürfen, danach kam eine Zeit des Burnouts und der Krise. Später war ich als Missionar in Westafrika, Russland und der Ukraine tätig. Schließlich kam der Ruf erneut in die Gemeindearbeit nach Berlin. Ich habe mich hier nicht selbst als Pastor eingesetzt, sondern bin der Einladung von Präses Ingolf Ellßel gefolgt. Er fragte mich, ob ich mir vorstellen könne, die
Tabor-Gemeinde in Berlin zu übernehmen. Erika und ich haben diese Gemeinde dann besucht. Wir fanden eine ganz kleine Gruppe, die noch krampfhaft geglaubt und gebetet hat, dass Gott die Tabor-Gemeinde wieder zum Leben bringen wird. Wir empfanden es als Ruf Gottes, die Gemeinde zu übernehmen. Gott hat diesen Schritt bestätigt, indem die Gemeinde zahlenmäßig wächst. Insofern wiederholt sich die Geschichte. Als ich in den 60er Jahren zum ersten Mal eine überalterte Gemeinde übernahm, ist sie aufgeblüht. Jetzt dürfen wir das zum zweiten mal erleben.“

Seit 1998 ist die Tabor-Gemeinde von 18 Mitgliedern auf 200 bis 250 Gottesdienstbesucher gewachsen.

60. Geburtstag von Pastor Volkhard Spitzer, Kirche am Südstern, Berlin
Straßenfest anlässlich Volkhard Spitzers 60. Geburtstag  



Gruß
wort von Keith Warrington während des Festgottesdienstes

Keith Warrington Volkhard, Erika und Markus, einen Gruß möchte ich bringen – auch von meiner Frau und für die ganze Gemeinschaft von Jugend mit einer Mission … Ich möchte heute vor allem eine bestimmte Etappe bezeugen und anerkennen und dir danken für deinen und für euren Beitrag im ganzen Land. Volkhard, gestern hast du bei THE CALL am Brandenburger Tor beschrieben, wie der geistliche Aufbruch hier in Berlin entstanden ist. Doch ich möchte dir sagen: Was Gott unter euch in Berlin wirkte, floss in das ganze Land hinaus und öffnete und befruchtete weite Teile Deutschlands.

Ich habe dich zum ersten Mal in Zürich und dann Anfang `72 in St. Gallen gehört. Bald darauf wurdest du an vielen Orten eingeladen. Es fing an mit „Jesus-Leuten“, aber es erweitete sich und es ging um einen Erneuerungsauftrag … Du hast für uns von Jugend mit einer Mission Türen im ganzen Land geöffnet. Du bist in katholische Kreise gekommen, um geistliche Erneuerung dahin zu bringen, in evangelische Gemeinden … Gott hat dich zu einer Leitfigur gemacht, um das Land geistlich zu öffnen in den Siebzigern und bis in die frühen achtziger Jahre. Es gab die ersten (Berliner charismatischen) Kongresse `78, `79 in der Kongresshalle hier, wozu Christen aus ganz Deutschland sowie aus der Schweiz und Österreich kamen.

Du hast begonnen, internationale Kontakte ins Land zu rufen, du hast die Türen geöffnet, Wege gebahnt, damit das Internationale ins Land kommt von Nord- und Süd-Amerika und von Korea – ich denke dabei an die Verbindung zu Pastor Yonggi Cho …Dieser Beitrag ist oft nicht bekannt gewesen im Land und ich möchte diese Gelegenheit nutzen, um dies zu dokumentieren. Ich habe es als Augenzeuge miterlebt und nicht nur das, sondern wir von Jugend mit einer Mission waren nah genug am „Nolli“, um an dem inneren Aufbau teilzunehmen …

Dann (in den späteren achtziger Jahren) folgten Jahre im Ausland. Doch in den neunziger Jahren erlebtest du die Gnade Gottes in einer Wiederherstellung, es folgten der Aufbau von CCM und die Wiederaufnahme deines Dienstes in Deutschland … Ich wünsche euch ein Zuhause im Leib Christi und dass wieder viele Türen aufgehen … Wir brauchen euch und wir lieben euch …



Ein Dank im Namen der Frauen

Volkhard Spitzer ist viele Jahre lang Inspirator und Motivator für internationale Frauenarbeit gewesen – man höre und staune – und hat ganz entscheidende Impulse gesetzt, für die ich mich bedanken möchte und für die ich dem Herrn danke. Volkhard hat vor vielen Jahren eine Predigt mit dem Thema Frau, warum weinst du? gehalten. Was heute tausendfach in christlichen Frauenzeitschriften und Büchern behandelt wird, hast du damals angestoßen: dass Gott Frauen liebt und um ihren Schmerz weiß und ihnen begegnen möchte. Dem Herrn sei Dank für diese Predigt, die durch Deutschland und übersetzt durch andere Länder gelaufen ist.

Hannelore Illgen, Hannover


Zum 60. Geburtstag von Volkhard Spitzer -
ein Gruß aus der Charisma-Redakton

Gerhard Bially Lieber Volkhard,
es ist mir eine Freude, dir zu deinem 60. Geburtstag gratulieren zu dürfen. Nur allzu gut erinnere ich mich daran, wie ich in den USA (wo ich die Jesus-People- und die charismatische Bewegung kennen gelernt hatte) von einem Pastor hörte, der in der Havel tauft. Ich glaube, im Sommer 72 erlebte ich dich dann erstmals „live“ in einem Zug. Wir pendelten mit Hunderten von Jugendlichen zwischen Hurlach und München, wo wir bei der Olympiade die JMEM-Einsätze mitmachten. Es muss um deinen 29. Geburtstag herum gewesen sein (da ich erst 20 war, ein ehrwürdiges Alter). Du sagtest der mindestens ebenso gewichtigten Person neben dir, wie froh du seiest, dass eure Gemeinde unanhängig und keine Pfingstgemeinde sei.

Ein anderes denkwürdiges Ereignis hat sich mir eingeprägt: als du an unserem zehnjährigen Jubiläum im JESUS-HAUS Düsseldorf sprachst. Nicht nur, weil du den Termin vergessen hattest und erst einen Tag später aus Westberlin eingeflogen kamst, sondern auch, weil dich unser schwarzer Kinovorhang so störte, dass du gleich ein Opfer über 10.000 DM für die Bühnenrenovierung eingesammelt hast.

Ich habe immer deinen Elan, deinen Tatendrang, deinen Pioniergeist und deinen Mut bewundert. Wenn ich jedoch sagen sollte, was ich das Größte in deinem Leben und Dienst fand, so wäre es weder „Berlin 81“, das so viel Segen brachte, noch der für eine freie Gemeinde damals fast undenkbare Einzug in die „Kirche an Südstern“, sondern dass du damals durch Gottes Gnade zu deiner Frau, zu deiner Familie zurückgefunden hast. Möge Gott euch die Freude aneinander noch lange erhalten!

Viel, viel Segen für die nächsten Jahrzehnte, du alter Hase!

Gerhard Bially


Nachdruck mit freundlicher Genehmigung der Zeitschrift Charisma. Vielen Dank auch an M. Hansmann.


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